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1. Was bedeutet HDR?
HDR steht für High Dynamic Range, was so viel heißt wie "hoher Kontrastumfang". Das Ziel bei dieser Art der Fotobearbeitung ist es, ein Bild entstehen zu lassen, das an jeder Stelle perfekt ausgeleuchtet ist und darum sehr detailreich ist. Oben sieht man an zweiter Stelle ein normales, unbearbeitetes Bild, wie es meine Nikon D90 aufgenommen hat. Man bemerkt, dass vor allem an hellen Stellen (z.B. Himmel) oder besonders dunklen Stellen (Schatten, dunkle Objekte) wenig Details zu erkennen sind, da diese entweder überstrahlt werden, oder aufgrund mangelnder Ausleuchtung nicht mehr zu erkennen sind (absaufen). Noch viel gravierender wird dieses Problem natürlich, wenn man z.B. direkt in die Sonne fotografiert. In der HDR Fotografie wirkt man dem entgegen, indem man von derselben Szene mehrere Bilder mit unterschiedlicher Helligkeit macht und diese vom Computer so zusammensetzen lässt, dass jeder Bereich optimal ausgeleuchtet ist (der Himmel würde in dem Fall dem dunkelsten Bild, die Schatten dem hellsten entnommen).


2. Benötigte Software:
- Photomatix (notwendig): Photomatix ist das Programm, das unsere Ursprungsbilder zusammensetzt. Eine Trial Version bekommt ihr hier, allerdings hinterlässt diese ein hässliches Wasserzeichen. Alternativ gibt es hier eine entsprechende Freeware oder aber ihr könnt mit dem in Photoshop integrierten HDR Modul (Datei > Automatisieren > HDR) arbeiten. Ich werde hier die Arbeit mit Photomatix beschreiben, da diese die besten Ergebnisse liefert.
- Photoshop (empfohlen): Eine 30 Tage Testversion von Photoshop mit der uneingeschränkt gearbeitet werden kann bekommt ihr hier.
- Photoshop Plugins (optional aber nützlich): Topaz Adjust, Noiseware Professional und Nik Color Efex. Solltet ihr nur das Budget für einen dieser Plug-Ins haben, empfehle ich ganz klar Topaz Adjust, da es den mit Abstand größten Unterschied im Vergleich zum Arbeiten ohne Plug-Ins bringt. Außerdem hat es einen DeNoise Algorithmus integriert, der zwar nicht so gut wie Noiseware arbeitet, aber doch zufriedenstellende Ergebnisse liefert.


3. Weitere Vorraussetzungen:



Fokus, Bildstabilisator und Bracketing Schalter meiner Nikon D90



Belichtungseinstellung meiner Canon IXUS

Da ein HDR Bild aus mehreren Bildern zusammen gesetzt wird, erklärt sich von selbst, dass bewegte Motive nicht geeignet sind (auf einen Trick, um doch bewegte Motive zu einem HDR Bild zu entwickeln, komme ich später zurück). Da freihand aufgenommene Fotos nie exakt den gleichen Bildausschnitt zeigen, dies aber eine wichtige Vorraussetzung ist, ist ein Stativ oder wenigstens das Abstützen der Kamera notwendig. Ein weiterer Vorteil sind Kameras die eine Belichtungsreihen-Funktion (auch Bracketing (abgekürzt: BKT) genannt) besitzen, da man dort die Kamera nicht vor jedem Foto neu einstellen muss und sie somit auch nicht aus Versehen verschoben wird (Hier beschreibe ich kurz, wie diese und weitere Funktionen bei Canon Kompaktkameras mit einem Trick aktiviert werden können.). Bei Kameras mit einem eingebauten Bildstabilisator sollte dieser ausgeschaltet werden, weil er beim fotografieren vom Stativ nicht nur unnötig ist, sondern das Bild sogar unschärfer machen kann und eventuell die Bilder unterschiedlich korrigiert werden, sodass der Bildausschnitt nicht mehr 100% übereinstimmt, was zum unerwünschten Ghostingeffekt führt. Sollte die Kamera Bilder im RAW-Format abspeichern können, sollte auch diese Möglichkeit genutzt werden, da sie zusätzliche Flexibilität beim Bearbeiten ermöglicht. Außerdem ist es nützlich, die Blendenzahl hoch zu setzen (also die Blende möglichst weit zu schließen) und der Kamera manuell einen niedrigen ISO-Wert vorzugeben, da man so viele Details einfängt und das Bild wenig Bildrauschen aufweist (bei HDR Fotos besonders wichtig, da die Bearbeitung eventuelles Rauschen sehr stark zum Vorschein bringt). Ist einmal fokussiert, sollte auf manuell gestellt werden, damit alle Bilder an denselben Stellen scharf sind.
In den allermeisten Fällen ist eine Belichtungsreihe von -2 bis +2, bestehend aus 3 Bildern, vollkommen ausreichend. Nur bei extremen Fotos direkt in die Sonne kann es erforderlich werden von -3 bis +3 zu gehen.


4. Photomatix:
Hat man in Photomatix über "HDR erzeugen" seine Bilder ausgewählt, erscheint ein Dialog, in dem man mehrere Auswahlmöglichkeiten hat, von denen ich aber größtenteils die Finger lassen würde, da Ausrichtung, Rauschen und Aberrationen besser später in Photoshop bearbeitet werden. Geisterbilder (oben als Ghostingeffekt bezeichnet) sollte man nur unterdrücken lassen, wenn man freihand fotografiert hat und auch dann hat diese Funktion bei mir meistens kaum Wirkung gezeigt. Beim Arbeiten mit RAWs sollte man bei "Primärfarben für HDR basieren auf:" sRGB auswählen, es sei denn, man kennt sich aus und wählt bewusst eine der anderen Optionen. Bestätigt man nun mit einem Klick auf "OK" und klickt danach auf "Tone Mapping" hat man eine ganze Reihe Auswahlmöglichkeiten.

- Stärke: Sollte man auf 100% lassen, da man sie gegebenenfalls später in Photoshop sehr gut abmildern kann.
- Farbsättigung: Ist selbsterklärend, sollte aber behutsam angewandt werden, da bei HDR Bildern oftmals übertrieben wird.
- Helligkeit: Müsst ihr ausprobieren. Grundsätzlich sorgt ein positiver Wert für ein kontrastärmeres Bild, ein niedriger Wert für ein kontrastreicheres.
- Mikrokontrast: Beeinflusst den Detaillevel auf eine sehr feine Art und Weise, die ich nicht näher in Worte fassen kann.
- Glätten: Bestimmt, wie sehr euer Bild nach HDR aussieht. Je weiter rechts, desto "realistischer" bleibt es.
- Weiß- und Schwarzpunkt: Die Werte hierfür sollten niedrig gehalten werden, sodass man das Histogramm des Bildes schön mittig positioniert. Ist es zu weit rechts, verliert man Details in hellen Stellen des Bildes und umgekehrt.
- Gamma und Farbtemperatur: Sind selbsterklärend, macht man meiner Meinung nach aber besser später in Photoshop.
- Mikrokontrast glätten: Kann gegen Rauschen eingesetzt werden, auch das kann man aber später in Photoshop besser bearbeiten.

Nachdem man auf "Verarbeiten" geklickt hat, speichert man das Bild entweder als jpg ab und ist fertig oder erzeugt eine 16-bit tiff-Datei und verarbeitet diese in Photoshop weiter.


5. Photoshop:
In Photoshop sind neben eventuellen Farbkorrekturen, Effekten usw. vor allem zwei Dinge wichtig. Zum einen werden Stellen, die trotz Photomatix noch überbelichtet sind korrigiert, zum anderen werden eventuelle Ghostingeffekte aufgrund von sich bewegenden Personen etc. behoben. Beides geschieht, indem ihr eins der Originalbilder als neue Ebene auf das HDR Bild kopiert und mit einer Maske die benötigten Stellen sichtbar macht (im ersten Fall nimmt man das dunkelste Originalbild und mildert so die überbelichteten Stellen ab, im zweiten Fall nimmt man das am besten geeignete Bild und beseitigt die Ghostingeffekte).

Abschließend kann man das Bild mit Topaz Adjust noch ein wenig aufpeppen und mit Noiseware Professional vorhandenes Rauschen entfernen (beide Plug-Ins sind gut verständlich, einfach ein wenig ausprobieren). Auch Nik Color Efex bietet einige sehr schöne Effekte, die aber allesamt auch manuell in Photoshop erzeugbar sind. Auf einen dieser Effekte, den ich häufig verwende, werde ich hier noch etwas näher eingehen. Es ist ein abgewandelter Orton-Effekt, der eine Art Glow erzeugt und die Farben noch etwas kräftiger erscheinen lässt.

Sollte man aufgrund der oben beschriebenen Bearbeitungsschritten mehrere Ebenen haben, reduziert man diese auf die Hintergrundebene. Diese dupliziert man, zeichnet das Duplikat mit dem gaußschen Weichzeichner weich (20-25px) und setzt seinen Verrechnungsmodus auf "weiches Licht". Sollte der Effekt zu stark ausfallen, mildert man den Kontrast der weichgezeichneten Ebene etwas ab.
Als nächstes dupliziert man die Hintergrundebene ein zweites Mal und reduziert die Sättigung des neuen Duplikats auf -100. Von diesem Duplikat fertigt man ein weiteres an, dessen Farben man invertiert, dessen Verrechnungsmodus man auf "farbig abwedeln" stellt und das man mit dem gaußschen Weichzeichner (2px) weichzeichnet.
Die beiden Duplikate reduziert man auf eine Ebene, deren Verrechnungsmodus dann auf "Multiplizieren" gestellt wird.

Ist man zufrieden mit seinem Foto, muss man es über Bild > Modus auf 8 bit Farbtiefe reduzieren, um es als *jpg speichern zu können.


7. Pseudo HDR:
Als Pseudo-HDR wird ein HDR Bild bezeichnet, das nur auf der Basis eines einzigen Bildes entstanden ist. Es wird oftmals als Mogelpackung bezeichnet, was es ja in gewisser Weise auch ist. Trotzdem kann man damit annähernde Ergebnisse wie mit einem "echten" HDR Bild entwickeln. Will man Motive mit bewegten Objekten im Vordergrund (Sportfotografie, Tiere, Menschen) zu einem HDR verarbeiten, ist es außerdem schlicht und einfach die einzige Möglichkeit, die man hat. Hier ist es quasi unerlässlich, das eine vorhandene Bild im RAW-Format vorliegen zu haben, da dieses weit mehr Licht- und Farbinformationen enthält.
Nun hat man zwei verschiedene Möglichkeiten: Sollte man Topaz Adjust zur Verfügung haben, kann man das eine vorhandene Bild einfach damit bearbeiten und wird ein HDR ähnliches Aussehen erreichen, das aber niemals an ein "echtes" HDR Bild heran kommt.
Die Methode der Wahl ist, das RAW Bild mehrmals in Photoshop zu öffnen, aber jedes Mal im RAW Importer eine andere Belichtung einzustellen. Auf diese Art erzeugt man eine eigene Belichtungsreihe auf Basis des einen RAW Bildes. Die unterschiedlich belichteten Bilder speichert man anschließend als *jpg Dateien ab, lädt sie in Photomatix und steigt bei Schritt 4 in dieses Tutorial ein. Auf diese Art wird ein Ergebnis erzeugt, das dem "echten" HDR Bild sehr nahe kommt.


HDR Bild aus 3 RAWs -2 bis +2

HDR Bild aus 3 JPGs -2 bis +2

pseudo HDR aus 3 JPGs -2 bis +2

pseudo HDR aus 7 JPGs -3 bis +3


Ich hoffe das Tutorial hat euch weiterhelfen können!





Ich möchte hier noch kurz diese tolle Firmware vorstellen, die es ermöglicht, auch auf Canon Kompaktkameras nahezu alle Funktionen einer digitalen SLR zu nutzen. Die Firmware muss lediglich auf die verwendete Speicherkarte kopiert werden und verändert nicht die originale Firmware der Kamera. Canon hat wohl bestätigt, dass die Garantie nicht durch die Nutzung des CHDK eingeschränkt wird. Einige der neuen Funktionen sind die Aufnahme von Fotos im RAW-Format, Belichtungsreihen für HDR Fotos und via Script auch die automatische Aufnahme von Bildern im Abstand von X Sekunden.
Diese Bilder können später mit einem beliebigen Videobearbeitungsprogramm zu einem Video zusammengefügt werden und fertig ist das Timelapse Video.
Mehr Informationen und den Downloadlink zum CHDK gibt es hier.
Für ein Timelapse Script benutzt man am besten die eingebaute Suchfunktion der Seite, da die Scripts von Modell zu Modell variieren.

Menü meiner modifizierten IXUS.